Ja, Lem hat auch Hörspiele und Drehbücher produziert. Einige davon sind klasse, andere eher weniger. Sie unterscheiden sich erheblich von seinen anderen Werken, weil er logischerweise viel Wert darauf gelegt hat, daß es auch als Hör- oder Fernsehspiel umgesetzt werden können. So kommt es dann, daß einige der Texte zwar interessante Ideen enthalten, sonst aber recht platt sind.
Das Hörspiel Mondnacht kann man von der Kritik aber getrost ausnehmen. Es wird durch die Beschränkungen des Mediums nicht eingeengt, sondern es ist gerade diese Tatsache, daß man nur Dialoge hört, aber nicht sehen kann was passiert, die dieses Hörspiel so spannend machen.
Es spielt auf einer mit zwei Mann besetzten Mondstation. Kurz nachdem diese in einen mehrtätigen Funkschatten zur Erde eintritt, die Mondnacht, meldet der Stationscomputer ein Sauerstoffleck. Der verbleibende Sauerstoff reicht nicht bis zum Ende des Funkschattens aus. Das heißt, er reicht nicht für zwei, würde aber für einen alleine. Auf diese Idee kommen natürlich auch die beiden Besatzungsmitglieder. Jeder von ihnen, versucht nun den anderen aus dem Weg zu räumen. Ihr Problem dabei ist aber, daß alles was auf der Station geschieht, auf ein Tonband aufgezeichnet wird.
Sie versuchen den Hörer zu täuschen, indem sie sich gegenseitig Handlungen vorwerfen, die sie gar nicht ausführen, sich gegenseitig der Lüge bezichtigen und abstreiten ihre Handlungen durchgeführt zu haben. Als Zuhörer kann man das nicht unterscheiden. Man muß selbst entscheiden, welche Aussagen logischer erscheinen.
Existieren Sie, Mr. Johns? ist eine Geschichte hinter der eine interessante Idee steckt. Ein Rennfahrer hat sich von einer Firma, die Prothesen herstellt, nach Unfällen mehr und mehr Teile für seinen Körper bestellt. Solange bis am Ende komplett aus Prothesen besteht. Und weil es in der Zukunft spielt, gibt es natürlich auch Hirnprothesen. Nur brummen die immer bei angestrengtem Nachdenken. Da der Rennfahrer aber die Raten für die Prothesen nicht bezahlte, wird er nun von der Firma verklagt. Die Firma verlangt vom Gericht, daß der Fahrer als Konglomerat von ihrer Prothesen in ihr Eigentum übergeht.
Dem ziemlich ähnlich ist Schichttorte. Auch bei ihr geht es um juristische Probleme, betrifft diesmal aber weniger Prothesen als Transplantate. Zwei Brüder fahren als Team Rallyes. Es kommt zu einem Unfall. Ein Bruder stirbt, der andere wird im Krankenhaus wieder zusammengeflickt. Die Lebensversicherung des verstorbenen Bruders will aber die volle Summe nicht auszahlen, weil einige Organe des Verstorbenen im geretteten Bruder weiterleben. Der Rechtsanwalt des Bruders muß bald herausfinden, daß es in Krankenhäusern inzwischen gang und gäbe ist, Menschen aus dem gerade vorhandenen Organmaterial, ohne Rücksicht auf eventuelle juristische Probleme, wieder zusammenzusetzen. Das wird richtig irrwitzig als der Chefarzt stolz von einem Busunfall berichtet, nach dem die Ärzte 19 Menschen retten konnten. In dem Bus waren aber ursprünglich nur 18.
Wer des polnischen mächtig ist, kann sich die Verfilmung dieser Geschichte bei Youtube antun.