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Stanisław Lem: Die Untersuchung

Einer von zwei Krimis die Lem geschrieben hat. Den zweiten, Der Schnupfen, hab ich vor ein oder zwei Jahren gelesen. Die Untersuchung ist im November 1957 geschrieben worden, zwischen Gast im Weltraum und Eden.

Wie von Lem kaum anders zu erwarten ist Die Untersuchung kein gewöhnlicher Krimi. Es ist nicht klar ob es einen Täter gibt, es ist nicht so ganz sicher ob es Opfer gibt, es ist nicht mal unbedingt sicher ob es sich um ein Kriminalfall handelt oder doch eher um ein wissenschaftliches Problem. Irgendwo in England verschwinden Leichen oder werden zumindest bewegt, oder bewegen sich vielleicht sogar selbst. Wer weiß.

Ein Wissenschaftler, der in diesem Fall mit der Polizei zusammenarbeitet, bringt ein paar unkonventionelle Gedanken ins Spiel. Er strengt die Statistik an, stellt in Frage, ob die Suche nach einem Täter, nach einer Person überhaupt sinnvoll sein muß. In seinen Worten: Ist die Anzahl der Krebserkrankungen in einer Region besonders niedrig, sucht auch keiner nach einem Täter.

Viel seltsames passiert. Nicht nur in Leichenschauhäusern und Friedhöfen, sonder in dem Haus, in dem der mit der Lösung des Falls beauftragte Inspektor zur Untermiete wohnt. Auch im Verhalten und im Umfeld der beteiligten Personen findet sich seltsames. Vieles ist schon nicht mehr nur seltsam sondern fast surreal. Zumindest scheint es so. Letztendlich betrachtet man alles aus der Sicht des Inspektors.

Eine Auflösung spart sich Lem. Der Chef des Inspektors bietet zwar eine (reichlich unheimliche) an, aber irgendwie mag man die nach alledem auch nicht mehr wahrhaben. Es gibt keine Erklärung, die alle Beobachtungen erklären könnte. Ich glaube nicht, daß es eine geben kann und garantiert nicht eine einzige für alle Phänomene. Ich gehe davon aus, daß Lem auch keine Erklärung parat hatte. Umso spannender.